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2013-06-25

Pulsnitz spart Energie (Sächsische Zeitung - Kamenz)

Um den europäischen Energiepreis will sich die Stadt aber noch nicht bewerben.

Von Reiner Hanke

Weiße, runde Sparlampen tauchen den Pulsnitzer Ratssaal im Ratskeller in helles Licht. Das war auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrates so. Da ging es ums Energiesparen. Im Ratssaal ist das Stromsparen Sache des Ratskellerwirtes. Im Rathaus nebenan und anderen städtischen Gebäuden ist die Stadt am Stromschalter. Die will das Sparen nun strategisch angehen mit einem sogenannten Energiemanagement.

Dafür gibt es Unterstützung über die Förderregion Westlausitz. In der haben sich 13Kommunen von Pulsnitz bis Bischofswerda zusammengeschlossen. Das Energiesparen ist eines von mehreren Projekten in der Förderregion, auch Leaderregion genannt. Führend wollen die Kommunen auch beim Energiesparen sein, um der Preisspirale bei den Energiekosten ein Schnippchen zu schlagen. Das Planungsbüro Schubert und die Sächsische Energieagentur unterstützen sie dabei. Fördermittel und moderne Technik sollen den Kommunen ebenfalls helfen, die Energiekosten in den Griff zu kriegen. „Aufbau eines kommunalen Energiemanagements“ heißt das Projekt ganz genau. Das wiederum soll ein noch ehrgeizigeres Ziel erreichen helfen: Die Region Westlausitz will bis 2050 nicht mehr Energie verbrauchen, als hier in der Region erzeugt wird. Ein schlaues Energiemanagement in den Kommunen gehört ebenfalls dazu. Von den Erkenntnissen können auch Firmen und Privatleute profitieren, schätzt man im Planungsbüro ein. Selbst ohne zu investieren, sei ein Einspareffekt von 10 bis 25Prozent der Energiekosten drin, nur durch kluges Management. Dabei konzentriert sich das Projekt in dieser Phase auf Elektro- und Wärmeenergie. Was das für Pulsnitz in Euro bedeuten könnte, kann allerdings noch niemand sagen. Dafür debattierten die Räte jetzt sogar darüber, ob sie noch einen Schritt weiter gehen und sich um den „European Energie Award“ bewerben sollten. Dabei würde Pulsnitz der Gemeinde Großharthau nacheifern. Die hat den Spar-Oscar schon in der Tasche. Den Antrag hatte Stadtrat Maik Förster gestellt. Hintergrund sind die hohen Kosten, die den Etat des Großabnehmers Stadt belasten: „Kostensenkungsmöglichkeiten sind bisher nicht optimal ausgeschöpft worden“, so Förster. Durch den Wettbewerb würde sich der Spardruck erhöhen und der Zwang, nach innovativen Lösungen im Umgang mit Energie zu suchen. So würde Pulsnitz in Energiefragen auf den richtigen Weg gebracht.

Gebäude werden untersucht

Die ersten Schritte ist die Stadt immerhin gegangen und steht vor einer Heidenarbeit. Energiebeauftragter Dieter Scheffler spricht von 37 städtischen Liegenschaften, die nun erfasst würden. Die Gebäude müssen nach energetischen Kriterien untersucht, die Haustechnik analysiert und Zählerdaten eingespeist werden. Am weitesten ist die Stadt mit der Sporthalle Hempelstraße, der Grundschule Pulsnitz und dem Haus des Gastes. Bis Ende des Jahres sollen 50 Prozent der Gebäude erledigt sein. Mit den ganzen Zahlen wird ein Programm gefüttert, das die Daten auswertet. Bis Ergebnisse und Rückschlüsse auf den wirklichen Spareffekt vorliegen, wird es aber noch eine ganze Weile dauern. Eine besondere Rolle spielen dabei die Heizungsanlagen. Dort wird derzeit intensiv nach Schwachpunkten in der Steuerung und nach Energieverlusten gesucht. Rathaus, Haus des Gastes und die Grundschule Pulsnitz wurden bereits optimiert. Die Schulheizung lief noch in der Werkseinstellung, heißt es. Jetzt wurden Heizkreise in Blöcke gesplittet, Heizzeiten verringert. Vorlauftemperaturen gesenkt. Ja, es werden sogar einzelne Räume für bestimmte Veranstaltungen separat angesteuert, statt die ganze Schule mit Wärme vollzupumpen.

Im Rat wurden aber auch Zweifel laut, ob die Fördergelder für dieses Energiemanagement wirklich sinnvoll sind: „Ein Haufen Geld für Dinge, die selbstverständlich sein sollten.“ hieß es. Offenbar sind sie es aber bisher nicht. So war die Verwaltung mit Unterstützung von Experten bemüht, die Kritik zu entkräften. Es gelang zumindest teilweise. Einer Bewerbung für den Energie-Award der EU stimmte die Mehrheit aber noch nicht zu. Der Aufwand ist extrem hoch. Das räumte selbst der Großharthauer Bürgermeister Jens Krauße ein und empfahl den Pulsnitzern, erst einmal ihr Energiemanagement durchzuziehen. Etwas enttäuscht war Stadtrat Förster. Für ihn sei es überhaupt ein Skandal, dass „20 Jahre kein Energiemanagement betrieben und damit Geld der Bürger verheizt wurde“. Dem werde zumindest jetzt mit dem Energiemanagement ein Riegel vorgeschoben. In einem Jahr will der Rat wieder über den Award sprechen.