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2012-12-13

Neue Übungsfläche für Spielleute (Sächsische Zeitung - Kamenz)

Von Frank Sühnel
Der Pulsnitzer Stadtrat macht den Weg frei für einen großen Sportplatz. Der Beschluss sorgt für viel Freude bei den Musikern, aber auch für herbe Kritik.
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Für den Spielmannszug Oberlichtenau (SZO) geht ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Er bekommt den dringend nötigen großen Übungsplatz direkt hinter dem Sport- und Freizeitzentrum. Auf der 100 mal 160 Meter großen Fläche können die Musiker dann ihre Formationen und Choreographien einstudieren. Möglich wurde das durch einen Grundstückstausch mit Anrainern und einem Verkauf der Fläche an den SZO. Das behandelte der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung.

Drei Beschlusspunkte waren nötig, um das Vorhaben nach etlicher Verzögerung jetzt auf den Weg zu bringen. Der erste umfasste einen Grundstückstausch, um die nötige Fläche zu erreichen. 5400 Quadratmeter, die sich bislang in Privateigentum befinden, gehen an die Stadt über. Die Besitzer erhalten dafür ein 4850 Quadratmeter großes, bislang städtisches Gebiet und 852 Euro als Ausgleich für die Größendifferenz. Zum zweiten stimmten die Räte dem Verkauf dieses Gesamtgeländes von etwa 11200 Quadratmetern an den SZO zu – für einen Euro. Die Spielleute müssen allein die Vermessungs- und Notarkosten in Höhe von rund 7000 Euro tragen. Der Rat war mehrheitlich dafür, einzig Stadtrat Maik Förster (Christen für Pulsnitz) stellte den Antrag, das Flurstück für sieben Euro je Quadratmeter zu verkaufen, so wie es bewertet worden sei. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt. Schwierigkeiten bereitete der dritte Beschlusspunkt. Der Rat sollte einen vorhandenen Mietvertrag des SZO mit der Stadt Pulsnitz über die Nutzung des oberen Stockwerkes der Oberlichtenauer Grundschule ändern und eine Mietfrist für die nächsten 20 Jahre fixieren. Allering sollte auch ein Sonderkündigungsrecht seitens der Stadt vereinbart werden, sollte Pulsnitz den Grundschulstandort aufgeben. Bisher verlängerte sich das Mietverhältnis immer um fünf Jahre.

Stadtrat Maik Förster stellte den Antrag, diesen Tagesordnungspunkt zu verschieben, denn die Räte hatten diesen Mietvertrag nicht vorliegen. Er wurde zwar, wie Fachbereichsleiterin Bürger und Bauen, Sylvia Ulrike Rauch, erklärte, schon einmal diskutiert, doch in Schriftform lag er nicht vor. „Wenn ich über einen Vertrag abstimmen soll, der 20 Jahre läuft, will ich ihn vorher wenigstens gelesen haben“, so Förster. Das Problem ist, dass, wenn den Räten ein so relevantes Dokument nicht vorliegt, der Beschluss seitens der Rechtsaufsicht kassiert werden kann. „Und nicht nur dass, es kann auch weit schlimmere Folgen haben, da der Beschluss wissentlich dieses Mankos gefasst wurde“, bemerkte hinterher der in diesen Dingen meist gut informierte Bürger Gerd Kirchhübel. Nach einiger Diskussion entschied Bürgermeister Peter Graff (FDP) aber zu beschließen. „Ist der Beschluss ungültig, so fassen wir ihn eben noch mal.“ Der Antrag Försters auf Verschiebung wurde abgelehnt und der Vertragsänderung mehrheitlich zugestimmt. Für den SZO ist diese Verlängerung wichtig. „Wir müssen einen Kredit aufnehmen und dazu benötigen wir die Sicherheit der 20 Jahre“, erklärte SZO- Chef Knut Kaiser.

Wie viel der Verein in den neuen Platz investiert, steht noch nicht fest. Die Summe sei abhängig davon, welcher Untergrund gewählt wird. „Es wird kein Naturrasen, der braucht einfach zu viel Pflege, die Geld kostet. Die erste Ausbaustufe wäre ein Hartplatz, sollte das Geld nicht für Kunstrasen, Tartan oder einen anderen speziellen Plastikbelag rechen“, so Kaiser. Fertig sein soll der Platz mit angeschlossener Weitsprunggrube 2014. Dann kann er ebenfalls von den Oberlichtenauer Grundschülern kostenfrei genutzt werden. Allerdings muss die Stadt erst einmal 10000 Euro, davon 3000 Euro Fördermittel, für die Ertüchtigung dieser Anlagen einsetzen. Auch das stieß Rat Förster auf: „Wir verschenken nicht nur ein riesiges Grundstück, für das andere Vereine viel zahlen müssten, sondern investieren in einer Zeit, in der kaum Geld da ist. Und wir investieren in einen Grundschulstandort, der angeblich geschlossen werden soll.“ Und er legte nach der Sitzung noch nach: Der SZO nutze Schulräume mietfrei und zahle nur Betriebskosten. „Die Stadt Pulsnitz lässt Mieteinnahmen einfach liegen, schließlich hat sie in Fenster und Fassade 80000 Euro investiert“, so Maik Förster. SZO-Chef Knut Kaiser kommentierte das knapp: „Neid ist die höchste Form der Anerkennung.“